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Der Erfolggrau

Die schnelle Mark ließ sich mit der Lederherstellung noch nie machen. Bevor der Gerber im vergangenen Jahrhundert einen Quadratfuß fertig gegerbtes Leder verkaufen konnte, verging viel Zeit: Die Tierhäute wurden zur Konservierung für einige Jahre zusammen mit Baumrinde und Kalk in feuchten Gruben vergraben - so lange brachte ein Fell keinen Gulden in die Kasse.

Dennoch macht sich der junge Gerbermeister Christian David Oehler nach 1823 rasch einen Namen. Das Geschäft mit den Häuten floriert. 1840 bereits wird der Betrieb zum ersten Mal gründlich modernisiert, die alte Gerberhütte abgerissen. Eine neue Produktionsstätte entsteht.

Die industrielle Revolution, die sich in den deutschen Staaten bald unaufhaltsam Bahn bricht, macht auch vor der Gerberzunft nicht halt. Bei Oehler wird die traditionelle Produktion in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auf das begehrte "lohgar gegerbte Wichs-Kalbleder" umgestellt.

Doch die Uhren gehen immer schneller: Das aufwendig hergestellte Kalbleder von Oehler ist für Massenfertigung zu teuer. Große Lederfabriken entstehen, die Chromgegerbtes Box-Kalbleder auf den Markt bringen.

Statt Vergangenem hinterher zu trauern, erkennt der dritte Firmenchef Christian David Oehler die Zeichen der Zeit. Die Produktion wird nach der Jahrhundertwende auf Spaltleder umgestellt. Wenig später folgt die eigene industrielle Revolution im Hause Oehler: Ein modernes Fabrikgebäude entsteht, und in den 30er Jahren löst die moderne Chromgerbung die pflanzliche Gerbung weitgehend ab - ein Verfahren, das bis heute Bestand hat.

Erfolgreich meistert die Familie Oehler Krisenjahre: Krieg und Inflation, Zwangsbewirtschaftung und Währungsreform. In der jüngsten Firmenvergangenheit wird die vielleicht größte Herausforderung bestanden: Oehler fällt nicht wie die meisten Lederfabriken in Deutschland dem Niedergang der Branche hierzulande zum Opfer, sondern kann sich als einer der führenden deutschen Hersteller mit internationaler Kundschaft halten.