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Die Kundengrau

Eine Nummer zu Groß sind bei Hosen oder Jacketts höchstens ein Ärgernis fürs Portemonnaie, weil sie ungetragen im Schrank hängen bleiben. Schuhe dagegen verbinden den Menschen mit der Erde. Und auf schlecht sitzenden Schuhen durchs Leben zu gehen, heißt für den Träger: Drücken, Kneifen, Schmerzen. Plastik an den Füßen sorgt gar für übel riechenden Schweiß. Wer sich im vergangenen Jahrhundert richtiges Schuhwerk leisten konnte, erhielt Maßarbeit ganz aus Leder.

Lederne Lauf- Brand- und Decksohlen, genäht statt geklebt - so sahen Schuhe im 19. Jahrhundert aus. Und damals war klar: Schuhe sind kein Wegwerfartikel, sie müssen auf Jahre hinhalten. Die Schuhmacher wussten gutes Sohl-, Zeug- und Fahlleder zu schätzen - wie sie es bei Christian David Oehler erwerben konnten. Die Gerberei Oehler wurde für Handwerksmeister in Marbach und Umgebung rasch zu einer gefragten Adresse. Gute Qualität sprach sich herum: Oehler beschickte bald die Messen von Frankfurt, Stuttgart, Heilbronn und Ulm.

Auch heute gibt es Menschen, die lieber nur ein oder zwei Paar hochwertige Schuhe erwerben, statt für den gleichen Betrag fünf Paar Billigschuhe zu kaufen. Denn wer Lederschuhe für 50 Euro ersteht, kann nicht erwarten, dass auf die Bearbeitung der Tierhaut viel Sorgfalt verwendet wurde. Gefährliche Gerbstoffe, minderwertige Farben und eine zu schnelle Trocknung sind oft Kennzeichen für schlechte Qualität. Für erstklassige Schuhe hingegen ist nur das beste Rohmaterial gut genug - wie das hochwertige Veloursleder aus dem Hause Oehler. Heute kommt die Kundschaft nicht mehr aus der schwäbischen, sondern vornehmlich aus der italienischen Provinz- dem Sitz namhafter Schuhproduzenten. Und wer auf Schuhe steht weiß: Was in Städtchen wie Montecosaro oder Communanza aus Leder gefertigt wird, ist alles andere als provinziell.