Zurück zur Startseite
bild

Das Ledergrau

Materialien in Hülle und Fülle hat der Mensch im Lauf seiner Geschichte eingesetzt, um das Leben angenehmer zu gestalten. Die meisten dieser Stoffe werden mit der Zeit schäbig und verbraucht, erhalten Risse, Dellen, Kratzer. Sie rosten, bersten oder reißen. Gutes Leder dagegen wird durch den Gebrauch nicht einfach nur alt, sondern vielfach sogar schöner: durch eine unvergleichliche Patina, die sich nie künstlich erzeugen ließe. Voraussetzung für dieses "in Schönheit altern" sind ein einwandfreier Rohstoff und eine perfekte Verarbeitung. Die Qualität des Leders beginnt auf der Weide - bei rücksichtsvoller Tierhaltung. Verletzungen, tiefe Risse von Dornen, Brandzeichen oder Schnitte machen die Haut eines Rindes für einen Lederhersteller wie Oehler unbrauchbar. Auch heute noch werden die Felle - von jungen Rindern aus Argentinien oder Kälbern aus Frankreich - vor der Gerbung in Handarbeit sorgfältig geprüft. Manche Kunden aus der Schuhbranche kommen bereits in diesem Stadium nach Marbach, um sich ihren Rohstoff auszuwählen.

Ganz so anspruchsvoll waren die ersten Kunden nicht, die zur Gerberhütte von Christian David Oehler kamen. So sorgfältig die Handwerker im vergangenen Jahrhundert auch ans Werk gingen: Das Ergebnis beim manuellen Gerben ließ sich nie hundertprozentig vorhersehen und hing stark vom Geschick der Gerber ab.

Die moderne Gerberei überlässt dagegen nichts dem Zufall. Trotz des hohen Anteils an echter Handarbeit sorgen hoch entwickelte Verfahren für eine perfekte Kontrolle der einzelnen Arbeitsschritte: vom Weichen und Äschern, Spalten, Entkalken und Beizen bis zum Zurichten, Walken, Falzen, Färben und Trocknen. Im Labor lassen sich mechanischer Widerstand, Abnutzung, Lichtechtheit der Farben, Flüssigkeitsaufnahme und Atmungsfähigkeit messen. Obwohl das fertig gegerbte Leder bis ins letzte Detail vor der Auslieferung unter die Lupe genommen wird - seinen Charakter als Naturprodukt lässt es sich dadurch nicht verderben.